Das ABC des Breitbandausbaus

Breitbandanschlüsse und 5G sind in aller Munde und scheinen vor allem für kleinere Gemeinden in peripheren Regionen unerlässlich. Doch was verbirgt sich hinter den Schlagworten und welche Vorteile bringen sie für Gemeinden?

Vor allem durch die Pandemie hat die Bedeutung der Digitalisierung einen ungeheuren Stellenwert erlangt. Wer von Zuhause aus arbeiten oder dafür sorgen musste, dass die Kinder auch am „Distance Learning“ teilnehmen, kann vielleicht ein Lied davon singen. Doch gerade in den ländlichen Regionen führte dies häufig zu klagendem Gejammer.

Für die Bürgermeister heißt es deshalb: „Aufrüsten“. Doch auf dem Weg zur hohen Datenübertragungsrate im Ort sind der Förderdschungel, steuerliche, rechtliche und wirtschaftliche Fragen, langfristige Konzepte und das Geld und schließlich auch das Breitband-Einmaleins zentral. Denn „Spleißen“, „P2MP“ oder „FttH“ sind Begriffe, die im gängigen Wortschatz eher selten zu finden sind…

Beim Festnetz hat Kupfer ausgedient

Mit den guten, alten Kupferleitungen, die für Telefonie und Internet der letzten Jahrzehnte verantwortliche waren, ist es wie mit einem Gartenschlauch: Solange nur ein paar Tropfen Wasser hindurchfließen, ist alles in Ordnung. Wird aber in sehr kurzer Zeit eine große Menge benötigt, gelangt der Schlauch irgendwann an seine Grenzen und wird zu dünn, um die benötigte Menge Wasser in der gewünschten Zeit zu transportieren. Ein paar Personen, die hier und da einige Mails versenden, stellen für Kupferleitungen auch noch kein Problem dar. Durch den immer höher werdenden Datenverbrauch durch TV-Streaming-Programme oder Videokonferenzen reicht die verfügbare Bandbreite jedoch sehr bald nicht mehr aus.

Ausbau von Glasfaser

Daher muss die verfügbare Bandbreite – der „Gartenschlauch“ – vergrößert werden. Gelingen soll das durch den Ausbau von Glasfaserleitungen. Diese Glasfaserkabel setzen sich aus vielen einzelnen Glasfasern zusammen, die aus Quarzglas als Übertragungsmedium bestehen und einen Lichtwellenleiter (LWL) bilden. Die Kabel übertragen Lichtsignale über weite Strecken mit Lichtgeschwindigkeit und enormer Datenkapazität. Im Gegensatz zu Kupferleitungen können diese auch nicht von elektrischen oder magnetischen Signalen gestört werden. Verlegt werden die Glasfaserkabel von einer zentralen Stelle („Point of Presence“ – PoP) zu Kästen, die die Signale innerhalb eines gewissen Umkreises zu individuellen Anschlüssen oder Haushalten verteilen. Diese sogenannte „letzte Meile“ gilt es nun auch mit Glasfaser auszubauen.

Zusätzlich braucht es 5G

Denn immer mehr Daten werden mobil übertragen und auch da braucht’s ultraschnelle Netze. 5G ist keine Revolution, sondern eher als Evolution aus bisher verwendeter und nun verbesserter Technik zu verstehen und somit das aktuellste Mobilfunksystem. Der kabellose 5G-Standard zeichnet sich vor allem durch seine Geschwindigkeit aus. Bis zu hundertmal schneller als der bisherige LTE-Standard können Daten mit der neuen Technik mobil übertragen werden. Zudem kann ein einzelner Sendemast bis zu einer Million Endgeräte versorgen. Zum Vergleich: Bei LTE sind es maximal 200 Geräte. Die Reichweite eines einzelnen Sendemasts beträgt bei der 5G-Technologie jedoch (je nach Sendefrequenz) teilweise nur wenige 100 Meter. Das bedeutet: Das neue Mobilfunknetz setzt sich über Kurz oder Lang aus zahlreichen kleinen Zellen zusammen. Wieder wichtig ist die Anbindung der Sendestationen mit Glasfaser (Backhaul). Diese Backhaul-Leitungen sind das Grundgerüst des Netzes, das die einzelnen Zellen miteinander verbindet und eine schnelle, verzögerungsfreie Datenübertragung gewährleistet. Und damit schließt sich der Kreis und erklärt sich, warum am Ende Glasfaser und 5G von so großer Bedeutung und letzten Endes notwendig sind.

Benötigte Bandbreiten

Videokonferenz8 Mbit/s Download
Netflix-Serie in Ultra HD25 Mbit/s Download
Netflix-Serie in HD5 Mbit/s Download
Musik-Streaming bei Spotify0,32 Mbit/s Download
Online-Gaming 1080pmind. 25 Mbit/s Download
Online-Gaming 720pmind. 15 Mbit/s Download
Bei paralleler Nutzung mehrerer Dienste und/oder mehrerer Nutzer sind die benötigten Bandbreiten zu addieren.

Wie ist das jetzt mit der Strahlung?

Für den Ausbau von 5G werden bis auf Weiteres bestehende Mobilfunkanlagen umgebaut. Wo dies beispielsweise aus statischen oder baulichen Gründen nicht möglich ist, werden vereinzelt neue 5G-Sendeanlagen dazukommen. 5G benötigt zusätzliche Antennen und eine eigene Systemtechnik. Nationale und internationale Messungen zeigen dabei, dass die Immissionen nicht signifikant ansteigen werden und weiterhin bis zu einem Faktor 1000 und mehr unter den internationalen Personenschutzgrenzwerten liegen werden und bei Glasfaser, da gibt’s gar keine Strahlung. Es ist einfach „Licht“.

Warum profitieren wir vom Breitband-Ausbau?

Eine funktionierende Breitbandinfrastruktur ist von zentraler Bedeutung sowohl für das gesellschaftliche als auch wirtschaftliche Leben in Niederösterreich und wird auch entscheidend dafür sein, wie z.B. auch neue Technologien zur Energiewende beitragen und schließlich auch die regionale Entwicklung gestärkt wird. Wenn wir auf die letzten Jahrzehnte zurückblicken, dann sind aus den ländlichen Gemeinden viele Funktionen weggekommen: Der letzte Nahversorger, in einigen Gemeinden auch der Arzt, der öffentliche Verkehr hat sich ausgedünnt und Arbeitsplätze sind in die Zentren abgewandert. Die Digitalisierung kann uns neue Möglichkeiten der Nahversorgung über Webshops oder die immer beliebter werdenden Miniläden ermöglichen. Auch in der Landwirtschaft werden durch Digitalisierung Arbeitsschritte erleichtert, oder die digitale Diagnostik beim Arzt vereinfacht und es wird schließlich auch das Arbeiten von allen Punkten des ländlichen Raums aus möglich sein. All diese enormen Möglichkeiten werden immer mehr Daten produzieren, die umso schnellere und stärkere Datenleitungen brauchen.“ Laut dem „Österreichischen Infrastrukturreport 2022“ würden vor allem ländliche Räume vom Breitband-Ausbau profitieren, wobei die Bandbreite des Produktivitätszuwachses in den ländlich geprägten Bundesländern von 1,42 Mrd. Euro (Burgenland) bis zu 10,5 Mrd. Euro (Oberösterreich) reicht. In Niederösterreich könnte die Wirtschaftsleistung demnach durch die Digitalisierung um knapp 9,5 Mrd. Euro zunehmen. Profitieren würde beispielsweise das Waldviertel allein schon deswegen, weil die Abwanderung dadurch gebremst würde und mehr Arbeitsplätze entstehen könnten. Also einfach jetzt beginnen, damit wir’s haben, wenn wir’s brauchen!

NÖ Breitbandstrategie

Während die großen Telekommunikationsunternehmen um die Ballungszentren rittern, verfolgen das Land Niederösterreich und ihre NÖ Glasfaserinfrastruktur (nöGIG) eine andere Strategie: Sie kümmern sich um die kleinen Kommunen mit weniger als 5.000 Einwohnern. In den Ausbaugebieten, in denen ein Glasfaseranschluss erfolgen soll, braucht es eine Zustimmung von 42 Prozent der Bevölkerung.
Das Niederösterreichische Modell sieht für die Versorgung mit zukunftsfähigem Breitband einen offenen Ansatz vor, der auch im Leitfaden der Europäischen Kommission für Breitband-Investition (Three Layer Open Model) empfohlen wird. „Unser Modell zeichnet sich durch drei Merkmale aus: Es ist offen, öffentlich und zukunftssicher. Offen bedeutet, dass unterschiedliche Dienstanbieter ihre Produkte zu gleichen Bedingungen im NÖ Glasfasernetz anbieten können. Das sorgt für Wettbewerb und Wahlfreiheit auf Kundenseite. Die Infrastruktur ist öffentlich, was bedeutet, dass sie langfristig im Besitz bzw. im Einflussbereich der öffentlichen Hand bleibt. Zukunftssicher ist es, weil Glasfaseranschlüsse im Haus
genügend Kapazitäten für die nächsten Generationen bieten
“, erklärt Digitalisierungslandesrat Jochen Danninger das Modell.

Digitalisierungslandesrat Jochen Danninger, hier mit NÖ Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl: „Unser Modell ist offen, öffentlich und zukunftssicher.“

Rechtliche Rahmenbedingungen für den Mobilfunkausbau

  • Telekommunikationsgesetz: Das TKG regelt u.a. die Konzessionserteilung (Netzbewilligung, Betriebsgenehmigung), den Schutz des Lebens und der Gesundheit sowie die Benützung von Sendestandorten/ Masten durch mehrere Netzbetreiber.
  • Bauordnung: Das Verfahren zur Errichtung einer Sendeanlage (d.h. dem Bauwerk) ist nach der NÖ Bauordnung zu beurteilen und fällt in den Bereich des Bürgermeisters als Baubehörde Erster Instanz. Die Prüfung gesundheitlicher Auswirkungen ist NICHT Gegenstand des Bauverfahrens.
  • Allfällige Genehmigungen nach weiteren bundes- und landesspezifischen Materien wie Forstgesetz, Denkmalschutzgesetz, Luftfahrtgesetz, Naturschutzgesetz etc.

Der Personenschutz ist nachzuweisen durch Einhaltung von:

  • OVE Richtlinie RL 23-1:2017 04 01 (Elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 0 Hz bis 300 GHz — Teil 1: Begrenzung der Exposition von Personen der Allgemeinbevölkerung)
  • Arbeitnehmerschutz: Verordnung elektromagnetische Felder – VEMF (Verordnung elektromagnetische Felder, 20.9.2019; Verordnung des Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz über den Schutz der Arbeitnehmer/innen vor der Einwirkung durch elektromagnetische Felder)

Sprechen Sie BREITBAND? – Begriffserklärungsverzeichnis

ARUsAccess Remote Units. ARUs sind Aktive Einheiten, um der Bandbreitenreduzierung entgegen zu wirken. Ein ARU reduziert somit die Entfernung Hauptverteiler <> Haushalt.
BackboneBackbone ist das Basisnetz oder „Rückgrat“ in der Telekommunikation, das die großen Städte bzw. einzelnen Hauptverteiler mit sehr hohen Datenübertragungsraten untereinander verbindet. Diese Backbone-Netze bestehen aus Glasfaser.
BackhaulMit Backhaul (engl. Rücktransport) bezeichnet man die Anbindung des Netzknotens eines Zugangsnetzes an ein Backbone-Netz. 
BEPBuilding Entry Point (Gebäudeeinführungspunkt) bildet den Übergang vom Außenkabel zum Innenkabel, sowie die Schnittstelle zwischen externen Broadcastdiensten und der Hausverteilanlage oder Heimverkabelung.
COCentral Office (Ortszentrale) In einem solchen CO laufen Teilnehmeranschlussleitungen zusammen, die die Teilnehmer-Endeinrichtungen mit der Vermittlungsstelle verbinden.
Dark FiberEine Dark Fiber (unbeschaltete Glasfaser) ist eine vom Netzbetreiber oder Infrastrukturbesitzer nicht genutzte Glasfaser, die an Dritte vermietet werden kann.
DistributionDistribution wird der Leitungsweg zwischen den Faserverteilern genannt von diesen dann auch die Hauseinführung abzweigen.
DropWird das letzte Stück einer Hauszuführung genannt vom Abzweiger der Distribution bis zur Hauseinführung
DSLDigital Subscriber Line (Digitale Teilnehmerleitung), Zugangstechnologie zum Internet, die Bandbreiten zur Datenübertragung über Telekommunikationsnetze zur Verfügung stellt.
EinblasenSpezielles Verfahren für die nachträgliche Einbringung von LwL-Kabeln in Röhrchen bzw. Leerrohre. Zu diesem Zweck wird mit Druckluft ein Luftpolster in den Rohren erzeugt, sodass LwL-Kabel auch über grössere Distanzen eingebracht werden können.
EntbündelungTrennung von Netzbetrieb und Diensteangebot. Konkurrierende Service Provider ohne eigenes Zugangsnetz (letzte Meile) haben so die Möglichkeit des direkten Kundenzugangs.
EthernetBezeichnet eine Technik, die kabelgebundenen Geräten die Kommunikation in Datennetzen ermöglicht. 
Faserverteiler (FCP)Ein Punkt, an dem die Fasern eines Kabels auf andere Kabel verteilt wird. Ähnlich einem Stromverteilerkasten, er kann oberirdisch als Schrank aber auch unterirdisch als Schacht ausgebildet werden.
FeederJener Teil des passiven Netzes, der vom PoP bis zum letzten Faserverteiler führt.
FttBFiber to the Building. Die Glasfaserleitungen werden bis zum Gebäude geführt, während innerhalb des Gebäudes Kupfer-, Koaxial- und/oder LAN-Kabel verwendet werden.
FttCFiber to the Curb oder Cabinet. Die Glasfaserleitungen enden in einem Straßennetzknoten, der sich nahe dem Endkunden befindet. FTTC ist ein Zwischenschritt in Richtung FTTH.
FttHFiber to the Home (Glasfaser bis in die Wohnung)
FttNFiber to the Node (Glasfaser bis zum Knoten)
FttxSammelbegriff für FTTC, FTTB, FTTH und FTTN
Gbit/sGigabit pro Sekunde ist ein Maß dafür, wie viele Gigabit von Daten in einer Sekunde durch ein System laufen können. 1 Gb = 1000 Mbit
IPDas Internet Protocol (IP) ist ein in Computernetzen weit verbreitetes Netzwerkprotokoll und stellt die Grundlage des Internets dar.
LANLocal Area Network (Lokales Netz)
LeerrohrUnterirdisches Leitungsrohr, Kabelkanal oder Durchführung zur Unterbringung von Leitungen (Glasfaser-, Kupfer- oder Koaxialkabel) eines Breitbandnetzes.
LWLLichtwellenleiter, oder Lichtleitkabel sind aus Lichtleitern bestehende und teilweise mit Steckverbindern konfektionierte Kabel und Leitungen zur Übertragung von Licht.
Mbit/sMegabit pro Sekunde ist ein Maß dafür, wie viele Megabit (Mbit) von Daten in einer Sekunde durch ein System laufen können. 1 Mbit = 1000 Kilobit
OANOpen Access Network (Offener Zugang) Der Zugang zu diesem Netzwerk und zu den Teilnehmern (Endkunden) ist für alle Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen offen. Service Provider können ihre Dienste direkt dem Endkunden anbieten.
P2MPPoint-to-Multipoint = Punkt-zu-Mehrpunkt Netzwerktopologie, bei der jeder Teilnehmer seine eigene Anschlussleitung bis zu einem zwischengeschalteten passiven Netzknoten (z. B. Straßenverteilerkasten) hat, wo diese Leitungen in einer gemeinsam genutzten Leitung zusammengefasst werden. 
P2PPoint-to-Point (Punkt-zu-Punkt): Direkte LWL-Verbindung zwischen der Ortsvermittlungsstelle und dem Kunden. Die Vorteile liegen in der Flexibilität der Verbindung, die individuelle Upgrades, Änderungen und Anpassungen erlaubt. Die Bandbreite wird nicht mit anderen Teilnehmern geteilt.
Passives NetzBreitbandnetz ohne aktive Komponenten. Umfasst in der Regel Leerrohre, unbeschaltete Glasfaserleitungen und Faserverteiler. Ein passives Netz hat keinen Stromanschluss.
PONPassive Optical Network (Passives optisches Netz)
PoPPoint of Presence (Verteilknotenpunkt, Ortszentrale)
PPP-Modell„Public Private Partnership“ ist ein Modell der Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand (Bund, Länder und Gemeinden) und dem Privatsektor für Bau und Betrieb von Infrastruktureinrichtungen
SpleißMittels Lichtbogen verschweißte permanente Verbindung von Lichtwellenleitern aus zwei verschiedenen Kabeln.
Vectoringein Verfahren, das die maximal mögliche Datenrate auf kupferbasierten DSL-Leitungen erhöht. 
ZugangsnetzEin Zugangsnetz ist der Netzabschnitt im Ortsbereich, der den Kunden mit einer Ortszentrale verbindet.